Prinz Eisenherz Prinz Eisenherz
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Zum 80. Geburtstag von Prinz Eisenherz

13. Februar 2017

Aus der Playmobil-Sammlung von Gerhard Habermann


Abb. 1: So könnte Eisenherz mit 80 aussehen …
Mehr Playmobil-Figuren von Gerhard Habermann finden Sie unter diesem Link.

Prinz Eisenherz wird 80 Jahre alt – ein gezeichneter Roman spült Comics an die Wand

Ein Artikel von Brian M. Kane, übersetzt von Andreas Schmidt

Als die meisten Filme im Fernsehen noch schwarz-weiß waren, stellten die Sonntags-Comics in den U.S. Zeitungen eine Oase von Farbe in der grauen Welt der Depression dar. Sehr beliebte Comic-Strips beflügelten die Zeitungsverkäufe in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts, so dass es wenig verwundert, warum ihre Schöpfer als Berühmtheiten angesehen wurden.

Der epische Held „Prince Valiant“ (im Deutschen: „Prinz Eisenherz“) mit dem Untertitel „in den Tagen König Arthurs“ von Harold Rudolf „Hal“ Foster erschien zum ersten Mal am 13. Februar 1937 auf der colorierten Comic-Seite in den Zeitungen der Hearst-Presse. Vor dem Prinzen erfand Foster quasi das Genre des Abenteuer-Comic-Strips mit einer erwachsenen Hauptperson im Jahr 1928, indem er „Tarzan“ als täglichen schwarz-weißen Comicstrip zeichnete. In den Jahren 1931 bis 1937 folgte die Sonntags-Ausgabe von „Tarzan“ in Farbe. Angesichts der schwierigen finanziellen Verhältnisse und der kreativen Zwänge als Auftragskünstler konzentrierte Foster seine beträchtlichen Fähigkeiten als Illustrator auf die Produktion seines eigenen Comics. Diese außerordentlichen Anstrengungen führten letztendlich zu internationaler Bedeutung für „Prinz Eisenherz“ und Foster. Heute, nach 80 Jahren, ist „Prinz Eisenherz“ einer der wenigen Abenteuercomics, die immer noch gedruckt werden.

Es ist schwierig, sich die Auswirkungen vorzustellen, die Fosters „Prinz Eisenherz“ in den 1930er und 1940er Jahren für die Alltagskultur hatte. Superman's Debüt in „Action Comics #1“ erschien erst über ein Jahr nach dem Start von „Prinz Eisenherz“. Viele der ersten beiden Generationen von Comic-Schöpfern schulden großen Dank an Foster. Junge Comic-Künstler studierten die Technik von Foster, manchmal auch, indem sie Szenen aus seinen Strips kopierten. Sogenannte „Swipes“ (Anlehnungen) an Fosters Kunst finden sich im frühen „Batman“ sowie in Comics von Jack Kirby, dem Co-Schöpfer vieler heutiger Filmhelden, darunter „Captain America“, „The Avengers“, „The X-Men“ und „Thor“. Wesentlich aber ist, dass Eisenherz einen ritterlichen Moralkodex verkörperte und einen ethischen Verhaltensmaßstab entwickelte, der Wahrheit und Gerechtigkeit verkörperte und deutlich machte, was es bedeutet, ein Held zu sein.

Wegweisende Werke wie „Der Hobbit“, „The Sword in the Stone“ (deutsch: „Die Hexe und der Zauberer“, auch „Merlin und Mim“) oder „Die Chroniken von Narnia“ gab es im Februar 1937 noch nicht. Als Joseph Campbell bahnbrechendes Werk „The Hero with a Thousand Faces“ (deutsch: „Der Heros in tausend Gestalten“) erschien, hatte Prinz Eisenherz bereits zwölf Jahre auf seiner Reise als monomythischer Held zurückgelegt. Doch im Gegensatz zu Campbell kamen in den Abenteuern von Eisenherz auch starke, selbstbewußte und heroische Frauen vor, worin sich der Einfluss von Helen, Fosters Frau, auf den Comic zeigte. (Für Uneingeweihte: Eisenherz, der unbedeutende Prinz von Thule, verliebte sich und heiratete schließlich Aleta, die Königin der Nebelinseln.) So wurde Aleta durch Hal und Helen ein Vorbild für Millionen von tüchtigen Frauen während des Zweiten Weltkrieges in Amerika: mit Witz, Charme, Intelligenz und gelegentlich einem verborgenen Dolch, der an ihren Oberschenkel geschnallt war. Aleta gab es, lange bevor Prinzessin Leia („Star Wars“), Katniss Everdeen („Tribute von Panem“) oder die meisten Disney Prinzessinnen erfunden waren.

Obwohl Fosters „Prinz Eisenherz“ in der Zeit von König Arthur spielt, war die Geschichte überraschend aktuell. Während des Zweiten Weltkrieges bekämpfte Eisenherz die Hunnen, was dazu führte, dass der Comic in deutschen Zeitungen abgesetzt wurde. Im Jahre 1943 freundete sich Eisenherz mit einem Jungen mit einem verkrüppelten Bein an, der nicht „Soldat“ mit den anderen Jungen spielen konnte. Trotzdem wurde der Junge ermutigt, seine Fähigkeiten zu nutzen, bis er eines Tages zum Waffenmeister (Bogenmacher) König Arthurs wurde. Die Geschichte erschien im gleichen Jahr, in dem eine Polio-Epidemie herrschte, und 16 Monate nach Pearl Harbour, und war so ein Aufruf an alle zu kämpfen, auch wer nicht in den Krieg ziehen konnte. Nach dem Krieg, als die amerikanischen Truppen nach Hause zurückkehrten, segelten Eisenherz und Aleta zur „Neuen Welt“ und bekamen einen Sohn, der bereits den kommenden Babyboom vorwegnahm. Als die Demographie der 1950er Jahre Amerika veränderte, heirateten multikulturelle Paare in „Prinz Eisenherz“ und bekamen Kinder, so wie in der beliebten U.S.-Sitcom „I Love Lucy“.

Fosters „Prince Valiant“ ist nicht nur ein Abenteuer-, Romantik- oder Spass-Comic, obwohl er all diese Elemente beinhaltet. „Prinz Eisenherz“ ist ein gezeichneter Roman über das Leben, in dem Menschen sich verlieben, Kriege geführt, Kinder geboren und älter werden, Herzen gebrochen werden, Freunde im Kampf sterben, Paare heiraten, und auch verunstaltete und behinderte Charaktere, Junge und Alte, Männer und Frauen, ihren Platz und ihre Aufgabe in der von Foster bravourös gestalteten Welt haben. Während einigen „Prinz Eisenherz“, gemessen an den heutigen Standards, vielleicht altmodisch erscheint, ist vielleicht seine unverschämt integrative „Macht für Gerechtigkeit“-Botschaft einfach vor ihrer Zeit. Lang lebe „Val“ - Prinz Eisenherz!

Brian M. Kane, Ph.D., ist Autor der mit einem Independent Publisher Book Award (IPPY) preisgekrönten Biographie „Hal Foster: Prince of Illustrators“, und ist Herausgeber des „Prince Valiant“-Nachdrucks von Fantagraphics Books (auf der Bestsellerliste der New York Times).

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allgemein/zum_80._geburtstag_von_prinz_eisenherz.txt · Zuletzt geändert: 13.02.2017 11:10 von admin
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